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 Andreas Seebacher und Walter Marl                                                          Online seit 16.10.2014  

Alljährlich am 5. Dezember, und das schon seit über  100 Jahren,  findet in Bad Mitterndorf das Nikolospiel statt. Etwa 100 Männer und Burschen gehen ca. 4 Kilometer vom Ortsteil Krungl nach Bad Mitterndorf und führen 5-mal dieses althergebrachte bäuerliche Jedermannspiel auf.

Es ist hier noch echtes Br auchtum vorhanden. Mag es manchem zu derb erscheinen, wenn die Krampusse die jungen Mädchen und Burschen mit der Rute schlagen, diese Grobheit ist aber meistens nur dort zu sehen, wo sich Darsteller und „Betroffene(r)“ kennen.

Wer auf Tradition Wert legt, ist in Bad Mitterndorf richtig. Die Texte sind an die 100 Jahre alt und haben bis heute ihre ursprüngliche Wortwahl beibehalten. Auch wenn manches in der heutigen Zeit schwer verständlich erscheint, wird dem Zuhörer durch die Ausdrucksweise die Vergangenheit einer weniger hektischen Welt vermittelt. Die Holzmasken sind furchterregend, weisen aber menschliche Züge auf. Mit über 200 Jahren ist die älteste Maske die des Barchtls. Die Mesner eilen dem Nikolozug voraus und bitten die Zuschauer um eine Spende. Ganz besondere Gestalten sind die Strohschab, die mit ihren meterlangen Hörnern weit in den Himmel ragen und behäbig - mit ihren Peitschen im Takt schnalzend - vor dem Zug einherschreiten.

  Quartiermacher ,  Nachtwächter und  Schimmelreiter  eröffnen das Spiel. Der Rollenträger stürmt wild in die Stube, doch der  Engel  besänftigt ihn, sodass auch die Kinder wieder ruhiger werden, zumal der Barchtl mit Obst und Süßigkeiten in seinem Buckelkorb folgt. Im Jedermannspiel von Bad Mitterndorf stirbt der arme Mann (Bettelmann), der dem Pfarrer wohl alle Schandtaten beichtet, jedoch zu Reue und Besserung nicht bereit ist. Der Tod tritt in Gestalt des Sensenmannes auf und streckt ihn zu Boden. Die Mächte des Bösen, dargestellt von zwei Kram pussen zerren ihn aus der Wirtsstube. Hat Bisc hof Nikolaus vorher schon gepredigt, Sünden zu unterlassen und gut zu sein, warnt er von neuem, überlässt dann aber die Zuschauer in der Stube dem E heteufel. Dieser erzählt, wie er Ehen zerrüttet. Der wild hereinstürzende Luzi fer spricht vor allem von seinen vielen  Helfern.  In diesen beiden sich reimenden Texten spiegelt sich besonders das Alte und Bäuerliche wider. Am Ende der höhnischen Luziferpedigt ruft er alle seine Helfer herein und es entsteht ein ziemliches Durcheinander, an dem die Zuschauer durch ihr Gekreische und ihre eigentlich unbegründete Angst nicht schuldlos sind. Auf Schmied und  Habergeiß  sollte man allerdings etwas acht geben. Die Nikolojäger haben aber alles bestens im Griff und sorgen für Ordnung.

Masken und Pelze werden zwar laufend erneuert, jedoch sind die Hauptfiguren seit mehreren Jahrzehnten nahezu unverändert geblieben. Ein Besuch in Bad Mitterndorf zahlt sich sicherlich aus.